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Im Gespräch mit Constantin Rothammer


Lieber Herr Rothammer,
Sie treten beruflich in die Fußstapfen Ihrer Mutter Sonja Rothammer, die erst im Oktober vergangenen Jahres das 30-jährige Apothekenjubiläum ihrer Apotheke St. Georg in Parkstetten feierte. Im Frühjahr 2013 begannen Sie das Studium der Pharmazie an der Ludwig-Maximilians-Universität München und haben dies im Herbst 2018 mit dem 2. Staatsexamen abgeschlossen. Mit Bestehen des 2. Staatsexamens sind Sie bereits Pharmazeut. Derzeitmüssen Sie aber noch das praktische Jahr durchlaufen, um nach dem 3. Staatsexamen die Approbation als Apotheker zu erhalten.

Warum haben Sie sich für den Beruf des Apothekers entschieden?

Schon von Kindheit an war ich von der Natur begeistert und interessierte mich sehr für Tiere und Pflanzen. Zuerst wollte ich Paläontologe werden und Dinosaurier ausgraben, später wollte ich die Welt unter Wasser erkunden und Meeresbiologe werden. Mit der Zeit waren dann die Berufswünsche nicht mehr so ausgefallen und realistischer. In der Schulzeit pendelte ich schließlich zwischen Biologie und Pharmazie, aber dadurch, dass beide Studiengänge ihre Ähnlichkeiten besitzen und Pharmazie die interessanteren Fächer bot, habe ich mich schlussendlich dafür entschieden.

Welche Voraussetzungen muss man für das Studium mitbringen?

Sehr wichtig ist der Spaß am praktischen Arbeiten. Nach der Vorlesung heißt es immer „Ab ins Labor“. Dort verbringt man den Großteil des Studiums. Je nach Semester hat man dann einen anderen Schwerpunkt, z.B.: Analytische Chemie, Biologie oder Organische Chemie. Letzteres hat mir am meisten Spaß bereitet – man steht da wie Walter White vor seinen Glasapparaturen und „braut“ sein eigenes Paracetamol. Natürlich ist auch das Interesse an naturwissenschaftlichen Fächern – allen voran Chemie und Biologie – sehr wichtig. Der benötigte Fleiß kommt spätestens während des Studiums dazu.

Das Pharmaziestudium umfasst in der Regel acht Semester. Außerdem ist eine praktische Ausbildung vorgeschrieben.Derzeit absolvieren Sie den zweiten Teil des praktischen Jahres in einer Pharmafirma in der Nähe von München, die auf Frauenheilkunde spezialisiert ist. Die praktische Arbeit eines Pharmazeuten in einer öffentlichen Apotheke kennen Sie ja bereits von Kindesbeinen an. Diesen Teil haben sie in der Apotheke Ihrer Mutter gemacht. Welche Erfahrungen haben Sie hier gesammelt? 

Dass man nach dem Studium erst mal ins kalte Wasser geschmissen wird! Man muss sich erst einmal in die teils recht komplexen Abläufe in einer Apotheke einfinden und an die penible Dokumentationspflicht gewöhnen. In der öffentlichen Apotheke sind aber natürlich die Beratungsgespräche das A und O. Nach dem 2. Examen steht man mit einem Sammelsurium an Strukturformeln, Chemie und Wirkmechanismen der Arzneistoffe da – dieses ganze Wissen muss man dann irgendwie kompakt und verständlich in ein Beratungsgespräch packen (es macht z.B. durchaus Sinn, wenn man seinen Cholesterinsenker erst abends nimmt). Außerdem ist es gar nicht so leicht, das richtige Medikament abzugeben, da es hier vom Gesetzgeber und den Krankenkassen strikte Regeln gibt. Trotzdem versucht man aber auch die Wünsche der Patienten zu berücksichtigen und ihnen ihre „Lieblingsschachtel“ abzugeben. Was mich aber sehr positiv überrascht hat, ist, dass die meisten Leute sehr verständnisvoll und geduldig waren, wenn man nicht auf Anhieb und in Sekundenschnelle die richtige Schachtel hatte oder wenn sie sich nach einer Recherche bzw. einem intensiven Beratungsgespräch bedankt haben, das fand ich sehr schön.

Was gefällt Ihnen besser – die Arbeit in einer Apotheke oder in der Industrie?

Es hat beides seine Sonnen- und Schattenseiten. Einerseits ist ein Vorteil der Industrie, dass man sich in einen spezifischen Bereich einarbeitet – in meinem Fall die Pharmakovigilanz (Arzneimittelsicherheit) – und auch mal hinter die Kulissen der Pharmabranche schauen kann. Andererseits ist es gerade das, was die Arbeit in der öffentlichen Apo so spannend macht: Man steht zwischen Handverkauf und Rezeptur und wird dadurch immer mit neuen Situationen konfrontiert. 

Das Pharmaziestudium zählt zu den anspruchsvollsten Studiengängen. Ein hohes Lernpensum ist zu bewältigen. Kommen Sie da oft an Ihre Grenzen? 

Am Anfang war es tatsächlich schwer, da man in sehr kurzer Zeit sehr viel Neues lernt, und sich auch vieles selbst beibringen muss. Entweder kommt man damit zurecht oder nicht – der Anteil an Abbrechern in den ersten Semestern ist schon sehr hoch. Mit der Zeit kommt man aber gut rein und lernt damit umzugehen. Außerdem gibt es auch ein Leben außerhalb der Uni, und das macht in einer Stadt wie München sehr viel Spaß!  Im Studienverlauf werden Themen aus der Chemie, Biologie, Physik und Mathematik behandelt. Fanden Sie diese Fächer auch schon während Ihrer Schulzeit interessant bzw. welches gefällt Ihnen jetzt am besten? So gut wie jedes Semester ist Chemie das Hauptfach, das hat mich in der Schule schon interessiert, habe es aber dann abgewählt, um in Biologie Abi zu machen, das war damals mein Lieblingsfach. Während des Studiums hat es sich dann gedreht und mittlerweile finde ich Chemie am interessantesten.

Im Hauptstudium ist Pharmakologie ein weiteres Hauptfach. Das ist eine Mischung aus Chemie und Biologie, da geht es darum, auf welche Weise die Medikamente auf den Körper einwirken bzw. miteinander wechselwirken. Ein sehr spannender Bereich! Physik und Mathe sind zum Glück hauptsächlich im Grundstudium relevant und ich war heilfroh, als ich dazu meine letzten Klausuren geschrieben habe.

Würden Siewieder Pharmazie studieren?

Ja! Da es einerseits wie bereits erwähnt ein sehr praktisches, andererseits auch ein sehr umfassendes Studium ist, da man einen intensiven Einblick in viele verschiedene pharmazeutische bzw. allgemeine naturwissenschaftliche Disziplinen erhält

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?  

Da bin ich mir gerade noch nicht sicher und halte mir alle Möglichkeiten offen. Eine Promotion würde mich zum Beispiel interessieren – vielleicht verschlägt es mich danach auch wieder in die Apotheke nach Parkstetten.

Jetztnoch ein paar persönliche Fragen.

• Was ist Ihnen wichtig im täglichen Umgang mit Mitmenschen?
Dass man versucht, zu jedem Menschen einen Draht zu bekommen. So dass jeder – egal wer vor einem steht und in welcher Stimmungslage die Person ist – die gleiche intensive Beratung und Geduld erfährt.
• Für welche drei Dinge im Leben sind Sie am dankbarsten? Familie, Freunde, Gesundheit.
• Mit welchen Charaktereigenschaften würden Sie sich selbst beschreiben? Neugierig, interessiert, aber auch gelassen.
• Was machen Sie in Ihrer Freizeit am liebsten? Im Garten oder der Natur entspannen.
• Entweder – oder… Constantin oder Conny – Conny Stadt oder Land – die Mischung macht’s Bayerisch oder Hochdeutsch – Bayerisch Bier oder Wein – Bier Buch oder Fernsehen – Fernsehen Frühaufsteher oder Nachtmensch – Frühaufsteher Sommer oder Winter – Sommer Schokolade oder Gesundes - Gesundes  

Das Interview führte Constantin Rothammer und Birgit Rohrmüller im August 2019.
Foto: Franziska Schrödinger Quelle Gemeindebote Parkstetten, Ausgabe 3/2019

 

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